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Von Wasser, Papier und schönen Orten.

  • Ulrike Wilhelmy
  • 17. Sept. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Geheimnisvoller Werkstoff und jahrtausende alte Geschichte: Es gibt einen Ort, wo sich alles nur um Papier dreht. 


Papierfiguren zeigen den Papierentstehungsprozess in der Papiermühle Alte Dombach
Papierfiguren zeigen den Papierentstehungsprozess in der Papiermühle Alte Dombach

In der ehemaligen Papiermühle Alte Dombach, dem heutigen LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach, wird gezeigt, wie Papier einst hergestellt wurde, ob es zur Herstellung heute einen Unterschied gibt und was man aus diesem unentbehrlichen Material alles machen kann. Man Kann hier Mühlrad, Lumpenstampfwerk und Laborpapiermaschine in Aktion erleben und sich selbst als Papiermacher und Papiermacherin versuchen. Die mächtige PM4, eine Papiermaschine aus dem Jahr 1889, die in einer der großen Hallen auf dem Gelände beheimatet ist, ist mit ihren vierzig Metern Länge und fünf Metern Höhe sehr beeindruckend. In der Ausstellung, in einem der historischen Häuser, erzählen Papiertheater, Freundschaftsbüchlein und historische Verpackungen vom Papiergebrauch in früheren Zeiten. Dass heute jährlich Millionen Tonnen Papier produziert werden und was das für unsere Umwelt bedeutet, wird sowohl auf dem Gelände als auch in der Ausstellung ebenfalls eindrücklich dargestellt.


Gewusel, Freundschaften und Schöpfbütte

Aussenansicht Papiermühle Alte Dombach
Aussenansicht Papiermühle Alte Dombach

Dieses Museum will ich im Rahmen einer Hospitation zum Studium KUBIS näher kennenlernen und schicke eine Anfrage per mail. Eine freundliche Einladung von Isabel Missling, der Museumspädagogin des Museums, erreicht mich bald darauf und kurze Zeit später bin ich auf dem Weg nach Bergisch Gladbach. Ich finde das Museum mit seinen historischen Gebäuden wunderschön gelegen in einer grünen Tallandschaft vor. Hier werde ich in den nächsten Stunden erfahren, wie sich die Zusammenarbeit des Museums mit verschiedenen Schulen gestaltet, welche Projekte geplant sind und wo bei all dem die Herausforderungen liegen.


Für unser Gespräch hat mich Isabel in die Bibliothek des Hauses eingeladen und ich sitze inmitten vieler interessanter Bücher, die alle etwas mit dem Hauptthema hier zu tun haben: dem Papier. Zu meiner ersten Frage hinsichtlich der Hauptzielgruppe des Museums erfahre ich, dass es sich dabei hauptsächlich um Schulen handelt. Die Schüler und Schülerinnen lernen in den museumspädagogischen Angeboten Wissenswertes über den wertvollen Werkstoff, können an der Schöpfbütte selbst tätig werden und erfahren u. a. was es alles braucht, um Papier herzustellen. Das Museum arbeitet mit diversen Schulen aus der Umgebung zusammen und hat dafür Kooperationsverträge abgeschlossen. Insbesondere mit den Lehrkräften pflegt das Museum langjährige, freundschaftliche Beziehungen. Manchmal kommt es vor, dass sich Schulen melden, die hier mit ihren Schülern künstlerische Arbeiten ausstellen wollen. Das Gewusel auf dem Gelände und in den Räumen und die anschließenden Ausstellungen sind auch für das Museumsteam immer etwas ganz Besonderes. Aber das ist nicht alles.



Papierkunst
Papierkunst

Zwei Mal im Jahr findet auf dem Museumgelände das über die Grenzen bekannte Museumfest statt und jedes Jahr im Mai zeigen hier zahlreiche Aussteller Papiere und ihre künstlerisch handwerklichen Unikate. Das sind für mich sehr wertvolle Informationen. Aufgrund meiner Vorliebe für diesen Werkstoff, bin ich immer interessiert an gutem Papierhandwerk und feinen Papieren.  




Innerhalb einer Museumsführung selbst wirksam werden können

Isabel stellt in letzter Zeit fest, dass vermehrt Anfragen von Kitas für die pädagogischen Angebote eingehen. Die Kitas sind vor allem daran interessiert, dass ihre Vorschulkinder noch vor ihrem Schulantritt den Papierentstehungsprozess kennenlernen können und sie etwas darüber erfahren, wie Kinder durch ihre Arbeit früher ihre Familien unterstützen mussten. Heute ist ebenfalls eine Gruppe von Kita-Kindern für eine Führung ins Museum gekommen. Diese Führungen werden von freiberuflichen Museumsguides durchgeführt, die allesamt dem Museum bereits seit vielen Jahren sehr verbunden sind. Beziehungsarbeit scheint hier insgesamt ein sehr wichtiges Thema zu sein und einer der Aspekte für gelingende Vermittlung. 


Kinder im Museum
Kinder im Museum

Ich darf bei der Museumsführung dabei sein und erlebe sehr interessierte Kinder, eine Guide, die viel über das Museum und den Papierherstellungprozess zu berichten weiß und freundlich auf unsere Fragen eingeht. Es ist eine Ausstellung zum Ausprobieren und Staunen. Während wir von Station zu Station wandern, fallen mir weitere Gäste auf. Ich bemerke, wie sie sich angeregt mit den Museumsmitarbeitern unterhalten. Die aktive Teilnahme an der Ausstellung bietet offenbar auch Gesprächsstoff für den Austausch an der Schöpfbütte. 


Museumspädagogik als Transportmittel von Vergangenheit hin zur Gegenwart

Als Museumspädagogin ist Isabel vor allem für die Koordination der Angebote im Museum zuständig. Das bedeutet: sie macht Öffentlichkeitsarbeit, gestaltet die Ferien- und weitere Programme und entwickelt neue Vermittlungsformate. Bevor ein neues Format verabschiedet wird, lädt sie gerne Menschen aus den Kooperationsschulen ein, um diese zu testen, Feedbacks zu erhalten und die Formate anschließend weiterzuentwickeln. Ein wichtiger Punkt in der Kulturellen Bildung und auch in der Arbeit, wie ich sie für mich zukünftig fortführen möchte. Darüber hinaus will Isabel zukünftig Kinder und Jugendliche noch mehr in den Entwicklungsprozess einbeziehen, um sie beispielsweise zu fragen, ob sie heute noch Zettel benutzen oder wie ihre Freundschaftsbücher ausgesehen haben. Diese könnten dann den Weg in die  Ausstellung finden. 



Papierschöpfen im Museum. Selbst wirksam werden.

Für die Durchführung von Vermittlungsangeboten stehen dem Museum in der Regel die hauseigenen Guides zur Verfügung. Einem großen Bedarf an vielfältigen Programmen steht ein enges monitäres Budget gegenüber. Dennoch wird zur Durchführung des ein oder anderen Projektes immer einmal wieder auf Kunstschaffende von außerhalb zurückgegriffen. Dadurch kommen neue Gedanken und überraschende Inhalte ins Museum. Ich selbst merke, dass Isabel auch sehr an meinem Input und meinen Gedanken interessiert ist. Sie empfindet den Austausch mit Kunst- und Kulturschaffenden immer als sehr bereichernd für ihre Arbeit. 

Zum Abschluss unseres Treffens schauen wir uns gemeinsam den Bastelraum an. Hier sind viele kindgerechte Utensilien und Materialien untergebracht. Es stehen einige Werkbänke für die Teilnehmenden zur Verfügung und laden zum Ausprobieren ein. Während ich Kisten mit den Aufschriften Origami, Papiertheater und sogar eine alte Buchpresse entdecke, erfahre ich, dass sich das Museum vor allem als außerschulischer Lernort begreift, in dem die Kinder selbst wirksam werden können, wo aber nichts produziert, nichts mitgenommen werden muss. Dies ist ein Punkt, der sich auch in meiner eigenen Haltung als Kunstbegleiterin wiederspiegelt.



Eindrücke aus dem Papiermuseum


Im Dialog sein mit der Welt

Mit dieser letzten Station geht meine Zeit an der Alten Dombach langsam zu Ende. Ich bin nach Bergisch Gladbach gefahren, um mehr über das Papiermuseum zu erfahren. Ich habe einen Ort gefunden, der durch seine bewegte und bewegende Geschichte beeindruckt und nicht zuletzt auch durch seine wunderschöne Umgebung, in der man sich gerne länger aufhalten möchte. Im Sinne der eigenen Position des Museums sind hier Kooperation und Kommunikation elementare Werkzeuge für gelingende Beziehungen in der Kulturellen Bildung. Ich habe hier Menschen kennengelernt, die sich für den Erhalt des Museums engagieren, sich sich mit dem Wandel der Zeit und den damit verbunden neuen Aufgaben auseinandersetzen (müssen) und noch zu erreichende Ziele definieren, wie die beachtliche Sammlung und Fachkunde zu Hygienepapieren weiter auszubauen. Menschen, die Wert legen auf ein wertschätzendes Miteinander und die ein Programm kreieren, über das wir uns austauschen, das wir in unsere Alltagswelt hineintragen, an dem wir uns erfreuen und von dem wir uns als Besucher berühren lassen können.  

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